Von BUDAPEST nach BELGRAD.

Am 15. August nach dem Mittagessen haben wir Budapest verlassen.

 

Hinter Budapest hatten wir starken Gegenwind und dementsprechend große Wellen. Ohne Motorantrieb wären wir nicht weitergekommen.

Hier gibt es viele Industriebetriebe entlang der Donau. In den 70.er Jahren wurde sehr viel gebaut. In dieser Zeit wurden alle Bauten zweckgebunden ohne Rücksicht auf Schönheit und Umwelt aus Beton aufgebaut. Eine typische "Dreckschleuder" zeigt das nächste Bild.

Bei uns hat man schon zwischenzeitlich erkannt, dass die Belastbarkeit der Umwelt schon am Ende ist. In Westeuropa wurde in den letzten Jahren wirklich viel in den Umweltschutz investiert. Hoffentlich werden die Ostblock-

länder bald mitziehen. Momentan sind diese wirtschaftlich nicht in der Lage diesbezüglich etwas zu tun.  

 

In Österreich waren an der Donau viele Ortschaften und Campinplätze. Da war die Versorgung mit Lebensmittel und Benzin kein Problem. Durch die Tschechoslowakei hatten wir noch genügend auf Reserve. Nach Budapest sind wir durch Gebiete gefahren, die von der Zivilisation sehr abgeschnitten waren. Deshalb sind uns unsere Lebensmittel fast ausgegangen.

Wir haben bei einem kleinen Bauerndorf gehalten und wollten unsere Vorräte wieder auffüllen. Da lebten die Leute mit ihren Vieh ganz eng zusammen. Die Schweine, Gänse und Hühner sind noch frei im Dorf herumgelaufen. Das einzige Geschäft hatte geschlossen. Das hat nur von 11 bis 12 h geöffnet. Wir sind in das Dorfwirtshaus gegangen und wollten uns was zum Essen kaufen. Da haben wir auch nichts bekommen. Einer Bäuerin wollten wir ein Hendl abkaufen, aber die hat uns leider nicht verstanden.

So sind wir eben unverrichteter Dinge wieder zu unserem Floß zurückgegangen.

In unserem Bestand hatten wir noch zwei Dosen Gulaschsuppe. Wir haben die Suppe noch mit einer Flasche Wein verlängert und mit Paprikaschotten veredelt.  In die Suppe wurde noch hartes Weißbrot eingebröckelt.

Wir waren uns alle einig: Das war die beste Gulaschsuppe die wir je zuvor gegessen haben!

Manfred war durch die Suppe so gestärkt, dass er beim Starten unseres Außenbordmotors das Starteseil abgerissen hat. Aber mit viel Geschick hat er es wieder repariert.

Wir sind ständig in Richtung Osten gefahren und haben nicht darauf geachtet, dass in dieser Region die Abenddämmerung früher einbricht.

Deshalb sind wir im "Blindflug" gefahren ( wir hatten ja keine Beleuchtung und hätten auch nicht bei Dunkelheit fahren dürfen) , weil wir wollten noch Dunaujvarosch erreichen. Zum Glück hat uns ein entgegenkommender Schleppzug im Radar geortet, sonst wäre es zu einer Katastrophe gekommen. Durch die Schiffssirene gewarnt , konnten wir gerade noch ausweichen. Die Schlepper haben im Gegensatz zu einem Passagierschiff die Bugwand im horizontalem Winkel zur Wasserfläche. Das heißt: Wenn uns der Schleppzug erfaßt hätte, wären wir unter das Schiff gedrückt und zwischen Schiffsboden und Deck der C93 zermalmt worden. Da hätte es ein Wiedersehen mit "Franz" gegeben.

Mit etwas erhöhten Blutdruck sind wir doch heil in Dunaujvarosch angekommen. Flußkilometer 1580.

Abendessen waren wir, wie sollte es anders sein, in einem Fischrestaurant. Da gab es jedoch herrliche Speisen und auch die Fischsuppe war ausgezeichnet.

Wir haben hier, direkt bei der Schiffsanlegestelle von Dunaujvarosch, übernachtet. (10. Übernachtung).

Am 16. August sind wir um 5:30h von Dunaujvarosch aufgebrochen. Morgenstund hat Gold im Mund und Blei im Sitzfleisch! Wilfried und Gerhard B. haben sich , wie immer,

aufgeregt, weil wir so zeitlich losgefahren sind. Gegen Mittag sind wir in Ordas in eine Dorfkneipe eingekehrt. Der Wirt hat sich sehr gewundert, weil wir gleich zwei Liter Wein bestellt haben.

Die Donau war an dieser Stelle sehr breit und es war langweilig. Wir vertrieben uns die Zeit mit Kartenspielen. Gegen Abend versuchte Wilfried wieder erfolglos einen Fisch zu fangen.

 

Am Abend haben wir in Baja angelegt. (37 000 Einw.)

Flußkilometer 1480. Baja hat sich seit dem 18. Jhd. zu einer der reichsten Handelsstädte in Ungarn entwickelt. Heute spielt auch die Industrie eine wichtige Rolle. Zentrum der Stadt ist der Beketer, der an drei Seiten durch Baudenkmäler begrenzt ist, während die vierte Seite ohne Bebauung zur Kamaras-Donau, einem Donauseitenarm, offen ist.

Wir suchten eigentlich den Campingplatz, haben ihn aber nicht gefunden.

Erst am nächsten Morgen haben wir im Campingplatz das zweite mal ein Duschbad während unserer Reise geommen. Das war eine Feinheit. Ein völlig neues Gefühl.

Im Radio, es funktionierte wieder, hörten wir, dass Elvis Presley gestorben ist. Er war mit seiner Rockmusik in unseren Jugendjahren ein Idol.

Nächste Station war Mohacs (19 000 Einw.) Flußkilometer 1445, war bereits zur Römerzeit besiedelt. Im August 1526 wurde hier das ungarische Heer von den Türken geschlagen. Mit dieser Niederlage begann die türkische Herrschaft über Ungarn, die rund 150 Jahre dauerte.

Die Stadt gewann durch die Dampfschifffahrt auf der Donau im vorigen Jahrhundert an Bedeutung. Hier liegt einer der größten Flußhäfen des Landes.

Mohacs ist die letzte Stadt vor der Grenze zu Jugoslawien. Deswegen haben wir noch unsere letzten Forint ausge-

geben.

 

Am 17. August haben wir gegen 15:00 h bei Flußkilometer 1440 die ungarische Grenze passiert und sind in Richtung Jugoslawien gefahren.

Genau gesagt, kommen wir in die Republik Serbien in die Provinz Vojvodina. Vojvodina hat ca. 2 Mio Einwohner. Davon 55,8 % Serben, 21,7 % Ungarn, 7,1% Kroaten, 3,7 % Slowaken und weiteres 9,0 % Mischvolk. Insgesamt leben hier zwanzig verschiedene Nationalitäten. Die Rundfunk- und TV- Sender strahlen ihre Programme in fünf Sprachen aus.(Das ist der Stand vor dem Jugoslawienkrieg Anfang der 90-iger Jahre).

Die Vojvodina ist ein Teil der Pannonischen Tiefebene und ist die "Getreidekammer" Ungarns.

Bevor wir jedoch nach Jugoslawien gekommen sind, mußten wir noch 17 km Niemandsland zwischen Ungarn und Jugoslawien durchfahren. Das hatten wir vorher nicht gewußt und sind daher in eine sehr verzwickte Lage geraten. Es wurde dunkel und wir haben ungewollt unsere zweite Nachtfahrt begonnen. Was sollten wir tun ? An Land konnten wir nicht, da hätten uns die Grenzposten (die haben wir am Ufer stehen gesehen) bestimmt verhaftet oder zumindest Schwierigkeiten bereitet. So sind wir mit einer Taschenlampe und einer Gaslaterne als "Positionslichter" in der Flußmitte (auf neutalem Boden) weitergefahren.

Links und rechts der Donau waren keine Lichter oder Ortschaften zu sehen. Beim ersten Haus, das wir gesehen haben sind wir hin und haben gefragt, wo wir den sind.

Ungarn oder Jugoslawien?

Ja, wir haben um 19:30 h Jugoslawien erreicht. Die Leute waren sehr freundlich. Wir durften in ihrem Garten unser Abendessen einnehmen. Es gab Grillwürste.

Wir wollten uns noch polizeilich anmelden. Nach Aussage unserer Gastgeber wäre das nicht so wichtig und wir könnten auch am nächsten Tag die Anmeldung machen.

 

 

18.August.

Wir haben in Batina, Flußkm. 1430,  übernachtet ( 11. Über-

nachtung). Ungefähr 1km flußabwärts haben wir schon die jugoslawische Grenz-Kontrollstelle gesehen. Wir kamen am frühen Morgen um 6:00h zur Zollkontrolle. Es war menschenleer und wir sind vorbeigefahren. Auf einem Schiff haben wir noch uniformierte Männer gesehen. Nachdem uns diese nicht beachteten, haben wir die Grenze ohne Pass- und Zollkontrolle überschritten. Eigentlich sind wir illegal eingereist.

Weil uns in den nächsten Stunden kein Boot der Wasser-

polizei aufgehalten hatte, war das für uns erledigt.

 Kurz vor Mittag sind wir in Sichtweite von Osijek zu stehen

gekommen, weil uns der Benzin ausgegangen ist. Die Strömung der Donau ist hier sehr gering.

Wir hatten Glück. Ein Fischer der gerade hier unterwegs war, hat uns in Schlepptau genommen und nach Osijek gebracht.

Mit 100 000 Einwohnern ist Osijek die größte Stadt dieser Umgebung. Auf dem Gebiet der heutigen Stadt bestand im Jahr 113 die römische Kolonie Mursa maior. Am rechten Ufer der Drau, die hier in die Donau mündet, liegt Varasdin,

das aus der Operette "Gräfin Mariza" bekannt ist.

In einer Gostilna haben wir drei Stunden (!) auf das Essen gewartet. Der Wirt wollte wahrscheinlich seinen Weinumsatz steigern. Dort haben wir nette Jugoslawen getroffen, die für die AEG-YU tätig waren. Einer von beiden ist mit Gerhard Z. zur nächsten Tankstelle gefahren um unsere leeren Benzinkanister wieder aufzufüllen.

Um ca. 18:00 h haben wir in einem Vorort von Bogojevo geankert. Drei Häuser, eines davon ein Wirtshaus. Ein schönes Fischrestaurant. Wir waren uns einstimmig im Klaren, dass wir, auch wenn die Fischsuppe noch so gut und scharf ist, keine mehr essen wollen.

Wir haben in Bogojevo, Flußkilometer 1370 übernachtet.

Am 19. August sind wir weiter gefahren in Richtung  Backa Palanka. Es war regnerisches Wetter, die Donau schien unendlich weit und es war kein Leben bis Vukovar, das durch die vielen Kämpfe im Jugoslawienkrieg (1991-94) eine traurige Berühmtheit erlangte.

Nach Mittag sind wir durch Backa Palanka (Flußkm. 1300) weiter nach Novi Sad gefahren. Irgendwo, kurz vor Novi Sad bei Flußkilometer 1270 war eine Brücke, die uns vor dem unnachgiebigen Regen schützte.

Rudolf und Gerhard Z. haben sich auf den Weg gemacht um eventuell ein Quartier ausfindig zu machen. Wir waren uns einig, dass wir unsere Reise abbrechen falls wir eine Übernachtungsmöglichkeit finden. Wir waren gut ausgerüstet, hatten eigentlich an alles gedacht, nur die langen Wege in Ungarn und Jugoslawien haben wir nicht vorausgeahnt, sonst hätten wir noch  ein Fahrrad mitgenommen. Wir sind daher ca. 5 km bei strömenden Regen gegangen, bis wir eine Unterkunft gefunden haben. Der Wirt sagte uns zu, fünf Betten für uns zu reservieren.

Also gingen wir zurück, packten unsere Sachen. Die Wäsche haben wir in große durchsichtige Plastiksäcke (siehe letztes Bild auf der C93). Die wertvollen Utensilien wie z.B. den Außenbordmotor haben wir in unsere große Holzkiste verstaut. Das Floß haben wir in einem Seitenarm der Donau "abgestellt". Der Anker, die Taue, Ruder u.v.m.

mußten wir hinten lassen.

Als wir mit unserem "Gepäck" bei unserem Wirt angekommen sind, hat er sich das anders überlegt und uns erklärt, dass er uns nicht aufnimmt. Kein Wunder ! Wir waren unrasiert, die Kleidung schmutzig, die Haare ungepflegt und unsere Schmutzwäsche in Plastiksäcken verstaut. Noch dazu mit Gummistiefeln sahen wir aus wie Landstreicher. Nach langer Diskussion, Gerhard Z. konnte sich in slowenischer Sprache etwas verständigen, wurden wir in ein anderes Hotel weiter vermittelt.

Dieses war ca. 15 km landeinwärts. Wie sollten wir mit unserem schweren Gepäck hinkommen ? Als wir ein Taxi bestellten, wollte der Fahrer uns nicht mitnehmen, weil wir fünf Personen waren. Aber mit etwas (Trink-)Schmiergeld haben wir den Taxifahrer schnell überredet.